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MIA WALTER - BUNTMACHE AUS LEIDENSCHAFT

Wie alles anfing

Was mit Tapetenvollkritzeln zum Ärger der lieben Eltern begann, artete bis zum Beginn eines Grafik-Design-Studiums in eklatanten Papier- und Farbverbrauch aus.

Hauptsächlich durch Heavy Metal und etwas kruden Humor geprägte Motivwahl führte dazu, daß meine freien Arbeiten früher Jahre einen ziemlich hohen Anteil an Totem, Ekligem oder sonstigen netten Dingen zeigten. Nach diversen Plattencovern für Metalbands kamen die ersten Wünsche nach Tattoovorlagen, die ich zuerst nur für Freunde, später auch für Tätowierer gezeichnet habe.

Mit der ersten eigenen Tätowierung mit 17 Jahren war ich dann infiziert. Die logische Konsequenz war schließlich, selbst tätowieren zu lernen - allerdings erst, nachdem ich bereits einige Jahre als Grafikdesignerin gearbeitet hatte. Die Grundlagen lernte ich bei Uwe von Silent-Scream, der mir sehr geholfen und mich unterstützt hat.

Faszination der Vielseitigkeit

Inzwischen mache ich hauptsächlich Customarbeiten und entwerfe für jeden Kunden sein individuelles Motiv. Ich habe immer noch Spass an Schädeln, aber mittlerweile auch keinerlei Berührungsängste mit zuckersüßem Kitsch mehr. Die Vielseitigkeit der Kundenwünsche und Stilrichtungen sorgt dafür, daß die Arbeit auch nach fast 20 Jahren noch spannend und abwechslungsreich ist. Und ich mag einfach die meditative Versenkung in penible Konzentration - und dazu bietet so gut wie jede Tätowierung Gelegenheit.

Ich bemühe mich ständig, mich technisch und künstlerisch weiterzuentwickeln, mir neue Stilrichtungen zu erschliessen und möglichst vielseitig zu sein.

Von Tätowierungen als modisches Accessoire halte ich nicht allzuviel, am liebsten arbeite ich mit Kunden, die die Tätowierung als sehr bewußte, zeitlose Erweiterung ihrer Persönlichkeit sehen, die Wert auf ein Einzelstück legen und die Zeit mitbringen, mit ihrem Tätowierer zusammen eine persönliche Bildsprache zu entwickeln. Wer möglichst schnell und billig irgendwas im Walk-In Verfahren haben möchte, ist bei mir eher an der falschen Adresse. Aber ich mache natürlich auch kleine Tattoos, es ist eher die Einstellung, die da zählt. Es muss nicht alles eine tiefsinnige Bedeutung haben, ein Motiv zu wählen, weil einem das Aussehen einfach sehr gefällt, ist völlig legitim.

Körperkunst hat eine Dimension, die keine andere Kunstform bieten kann: Die Verbindung dessen, was man schafft und der psychologischen Wirkung, dem Nutzen für den Träger und die organische Veränderung durch die Haut des Trägers. Die Veränderung der Persönlichkeit durch die Tätowierung bedingt auch wieder eine andere Bedeutung des Motivs, ein jahrzentelanges Wachsen und gegenseitiges Aufeinander-Einflußnehmen, das den Kern der Faszination ausmacht.

Danksagung

Mein besonderer Dank gilt Nadelvater Uwe, aber auch anderen Tätowierern, die mich mit Hilfe und Rat unterstützt haben: Heiko, Peter, Marion, Micha, Steve, Roland, Tom Lee und noch einige mehr.

Und natürlich meinen Kunden, die mir durch ihr Vertrauen ermöglichen meine Arbeit zu machen und mich weiterzuentwickeln. Ich freue mich sehr über den über die Jahre gewachsenen Kreis von Stammkunden, die ich von jungfräulich bis grossflächig tätowiert begleitet habe. Es haben sich Freundschaften entwickelt, und die Arbeit macht mir nach all den Jahren jeden Tag wieder Spaß. Vielen Dank, Ihr Lieben!